21.03.2020: Die letzten Tage waren für uns alle mental herausfordernd. Die Kinder brauchen mehr Bewegung, was in der Wohnung nicht wirklich machbar ist. So richtig raus traue ich mich aber eigentlich auch nicht. Am Samstag beschließen wir mit dem Rad in unseren Garten zu fahren. Dort wird nach der Winterpause das Wasser am Hauptverteiler wieder angestellt. Der Garten erscheint mir sicher, sind dort in der Regel doch eher selten andere Personen außer meinen Lieben. Ein kurzer Plausch mit dem Gartennachbarn an der südlichen und dem an der östlichen Grenze ist eine willkommene Abwechslung. Wir verbringen insgesamt gut 2-3 Stunden im Garten. Auf dem Rückweg kaufen wir Kartoffelsalat und Bratwurst. Ich habe momentan sehr große Lust auf Kartoffelsalat. Ich habe keine Ahnung warum… Nach dem Essen hat jeder noch etwas Zeit für eigene Dinge zur Verfügung. Ich kümmere mich um das Thema Buchhaltung und mache meine Steuererklärung… spannend! Am späten Nachmittag müssen die Kinder noch mal ausgelüftet werden. Also vermumme ich mich wieder und wir fahren in einen nahegelegenen Wald. Zu meinem Erstaunen entdecke ich eine Dirtbike-Jumpline. Leider bin ich ohne Helm unterwegs, so dass ich beschließe die Line beim nächsten mal einmal zu testen.

Im Vorder- und Hintergrund erkennt man gut die aufgeschütetten Kicker (Absprungrampen). Links meine Süße und unser „Kampfswiffer“. 😁

Abends machen wir es uns auf der Couch gemütlich und schauen… ja was schauen wir denn? Das Gedächtnis weist erste Lücken auf… normalerweise vergesse ich Dinge, wenn ich zu viel erlebe. Kann man Dinge vergessen, wenn man zu wenig erlebt? Ah, jetzt: ist ja Samstag. Wir schauen „Die Eiskönigin II“. Den habe ich bei AMZN eigentlich auf DVD/Blu-ray vorbestellt. Soll am 26.03. erscheinen. Umso erstaunter war ich, als ich den Film dann schon im Streamingportal von AMZN fand. Also habe ich die DVD-Bestellung storniert und den Film direkt als Stream gekauft. War sogar noch günstiger als die Hardcopy.

22.03.2020:Der Sonntag startet gemütlich beim gemeinsamen Frühstück. Danach spielen die Kinder gemeinsam in ihren Zimmern. Wir Erwachsenen sind irgendwie platt und dösen auf der Couch vor uns hin.

Mittagessen bereitet heute der „Gyros Spezialist“ für uns zu. Wir sind der Meinung, dass wir den lokalen Gastronomiebetrieben unsere Unterstützung zukommen lassen sollten, sofern es möglich ist. Also holen wir eine Portion Souvlaki und zwei Portionen Gyros und genießen zuhause mediterranes Flair.

Gegen späten Mittag schwingen wir uns doch noch mal auf die Räder und düsen in den Wald. Die Luft dort tut mir gut. Heute sind jedoch ein paar Kids an der Jumpline am Start und bauen weiter aus. Ich vertage meine Tests. Menschenansammlungen sind strikt zu meiden! Empfiehlt mir auch meine Onkologin. Mit gebührendem Sicherheitsabstand schau ich mir das Treiben an der Strecke an und werde wehmütig. Blöder Virus – blödes reduziertes Immunsystem – blöde schlechte Kondition.

Dennoch düse ich mit den Kids ein paar Runden durch das Unterholz. Eine Runde wird ca. 800 m lang sein. Fühlt sich mit meinem Konditionslevel von derzeit -1000 aber an wie 8 km. Ich muss regelmäßig nach 1-2 Runden Pause machen und die Schnappatmung bekämpfen. Aber ich kann mich wohl durchaus noch glücklich schätzen. Andere Hodgkin-Patienten berichten mir, dass sie zwar auch täglich versuchen ein gewisses Bewegungspensum zu absolvieren, Rad fahren aber während der Chemozeit unmöglich sei. Ich bin ein bisschen stolz auf mich und meinen Körper. 💪 Ansonsten knipse ich noch ein paar Bilder.

Nachmittags verteilen wir uns auf die Kinderzimmer und erledigen noch ein paar Hausaufgaben. Maxima ist mittlerweile richtig gut im Lesen geworden und hat ihre Schwierigkeiten überwunden. Erneut fühlt sich mein Brustkorb mit dem wohligen Wärmegefühl des Stolzes.

Abends ziehen sich die Kids in unser Schlafzimmer zurück und schauen The Voice – Kids. Wir Tatort. Ich probiere eine Flasche des Allgäuer Radlers, das Alex aus dem Center Parcs Urlaub mitgebracht hat. Es ist lecker, landet aber nur auf einem der hinteren Plätze meiner Top3-Radler. Ich mache ein Erinnerungsfoto. Alex ist begeistert von dem Nachtaufnahmemodus meiner Handykamera. Sie macht ein Bild zum Vergleich. Doch! Krasser Unterschied.

Links: älteres Handymodell von Alex, maximale Helligkeitseinstellung, rechts: neueres Modell mit Nachtaufnahmemodus.

Danach geht’s ins Bett. Ich schlafe mit bei Lara im Zimmer, Maxima im Schlafzimmer. Ich tausche mich mit Lara noch etwas darüber aus, was ihr so im Kopf umhergeistert und dann schlafen wir ein. Morgen beginnt die zweite Woche Home Office und Home schooling für Alex und die Kids. Ich werde hier weiter exklusiv berichten! Also, in diesem Sinne:

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