07.03.2020: Müdigkeit, Plauschgelegenheiten, Coronopanikwut

Gestern (07.03.2020) war der letzte der anstrengenden 3 Tage die an jedem Zyklusbeginn stehen. Das merke ich dann auch immer ziemlich. Am dritten Tag komme ich mir meist vor wie ein ferngesteuerter Schlafanzug. Der Kopf warm vom Cortison, der Körper müde von den Chemomedikamenten. Gegen 12:00 Uhr gebe ich mich dem ersten Nickerchen hin. Wenig später stehen meine Eltern am Bett. Wir laufen ein Stück durch die Klinik, holen uns eine kleine Stärkung beim Bäcker und spielen eine Runde Karten im Innenhof. Aber auch da könnte ich am Tisch wieder einschlafen. Um 16:30 schleppe ich mich auf mein Zimmer und falle einfach nur noch ins Bett. Meine Ohren mit Kopfhörerstöpseln versiegelt, gleite ich knapp eine Stunde durch die Sphären des Dämmerschlafes. Das war gut für den Kopf. Gut für den Kopf sind auch die vielen Möglichkeiten zum Austausch hier. Die Schwestern, Pfleger und Ärzte auf der Station mögen Christian (meinen Zimmergenossen) und mich und kommen, wenn es die Arbeitsauslastung zulässt, auch gern mal auf einen kleinen Plausch in unser Zimmer. Das tut gut.

Mehr gibt es derzeit nicht zum 07.03.2020 zu berichten. Aktuell meide ich den Medienkonsum so gut wie möglich. Man wird ja eh nur noch von Panik und Corona vollgespammt. Danach steht mir momentan nicht der Sinn. Auch die gehäuften Meldungen, dass irgendwelche mental verstorbenen Desinfektionsmittel und Masken aus Krankenhäusern klauen, nerven mich. Normalerweise bin ich eher skeptisch bei solchen Nachrichten, weil ich sie selbst nicht verifizieren kann. Aber diese Klaugeschichten sind wohl echt. Die Chemoschwester auf meiner Station bestätigte mir auch, dass seit letzter Woche mehrerer Kartons mit Desinfektionsmitteln abhanden gekommen seien. Ich hoffe es gibt noch Schutzmasken für das Personal wenn die Umkehrisolationszeit bei mir wieder losgeht. Und alles nur wegen Deppen, die meinen sich mit Nudeln, Reis, Klopapier, Desinfektionsmittel und Masken einzudecken. Da frag ich mich doch, was passiert in diesem Land, wenn hier mal 2 Wochen der Strom ausfällt oder was wirklich schlimmes eintrifft… Aber ich schweife ab und rege mich auf. Auf beides habe ich momentan keine Lust, deshalb: „CUT“!.

08.03.2020:

Heute ist ein eher ruhiger Tag. Mein Zimmergenosse Christian wird entlassen. Schade eigentlich. Ich kam gut mit ihm aus und hätte es auch noch gut und gerne 14 Tage mit ihm ausgehalten. Als „Ersatz“ wird ein älterer Herr auf mein Zimmer verlegt. Ich weiß nicht warum, aber mit älteren Patienten komme ich nicht so gut zurecht. Oftmals sind sie sehr in sich gekehrt und wenig gesprächig. Das kann schnell für (be)drückende Stimmung sorgen.

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