Die meisten meiner Besucher bringen mir was zu essen mit. Das ist toll. Und gut für die Stimmung und den Durchhaltewillen. Mein Körper arbeitet am Limit – nicht verwunderlich, versuchen die Chemomedikamente doch gerade fast alle meine Zellen umzubauen. Dafür braucht man Kraft. Wie auch beim Auto, Motorrad oder Flugzeug kommt da Kraft halt von Kraftstoff. Futter muss also unbedingt her.

Ein weiterer Nebeneffekt der Belastungen oder der Medikamente – ich bin mir nicht sicher, welcher Teil dafür ausschlaggebend ist – sind wirre Träume. Letzte Nacht habe ich folgendes geträumt:

Ein Brief einer Anwaltskanzlei flattert ins Haus. Darin verklagt mich eine deutsche Sportwagenmarke auf Schadensersatz, weil ich gegen eines ihrer Markenrechte verstoßen hätte. Zeitsprung im Traum – wenige Monate später arbeite ich für die Marke. In Hamburg-Wellingsbüttel. Für alle, die in Hamburg nicht so verortet sind: Wellingsbüttel ist ein Stadtteil noblerer Güte. Die Dichte an deutschen Sportwägen ist da in der Tat recht hoch. Im Traum bin ich dort an einem geheimen Tunnel eingesetzt und führe Zugangskontrollen durch. Der geheime Tunnel führt zu einem unterirdischen Autohaus, in dem neben den neuesten Modellen auch nahezu alle alten Modelle des Herstellers zum Kauf und zur Miete durch die betuchte Kundschaft zur Verfügung stehen. Und ich bin der Herr der Zufahrt und sorge dafür, dass Til Schweiger seinen Wagen zum Service bringen kann, Mark Forster sein neues Modell in Empfang nehmen kann und Heidi Klum sich für die neueste Staffel von Germany‘s next topmodel mit Fahrzeugen für die Shootings eindecken kann. Ich sag ja: „Wirre Träume!“

Dann ein kurzer Besuch der Ärztin. Der Behandlungsplan meines Zimmergenossen sieht vor, dass er morgen nach Hause darf. Ich sage zur Ärztin: „Den Plan nehme ich auch!“.

Leider sieht die Ärztin für mich einen anderen Plan vor. „Für Sie sind aber doch 14 Tage eingeplant!“. Ich erwidere: „Meine Infos belaufen sich auf 10 Tage!“. Ärztin: „Wir können ja nach 10 Tagen noch mal auf die Blutwerte sehen und dann schauen wir!“. Ich: „Okay, dann machen wir am Samstag Sching-Schang-Schong (aka Stein-Papier-Schere)!“.

14 Tage? Katastrophe!

Positiver Fact des Tages: Besucherhöhepunkt. Als erstes meine Liebste, inkl. gemeinsamen Dinnerdate (zwar wenig romantisch am Dönerwagen, aber es zählt ja nicht das Ergebnis, sondern das Erlebnis!). Für mich auch eine Quintessenz: in Zukunft mehr Zeit zu zweit – selbst wenn es nur Kleinigkeiten sind. Um 17:00 Uhr klopft mein Nachbar und FIFA20-Dauergegner Mathias in der Tür. 18:00 Uhr: Mein Buddy Christoph F. macht sich mal eben 250 km auf den Weg aus dem Süden Niedersachsens zu einer Stippvisite im Norden.

Besuch aus dem „Süden“.

So fällt einem das Durchhalten natürlich direkt leichter. Also: weiter geht’s.

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