Das Fieber bei unserer Lütten ist heute morgen weg. Auch Alex hat nur noch Husten. Dieser Kreuzzug gegen mein Immunsystem ist glücklicherweise spurlos an mir vorbeigegangen.

Nach dem Frühstück ordne ich meine ganzen Unterlagen. Da kommt echt einiges zusammen:

  • Bilder, CDs, Befunde von den Radiologen
  • Unzählige Aufklärungsbögen zu den OPs (Portanlage, Lymphknotenentnahme) und dazugehörige Berichte
  • Dokumentation und Medikationsplan für die Chemo nach BEACOPPesk Schema
  • Überweisungen, Einweisungen und Rezepte
  • Arztbriefe
  • Arbeitsunfähigkeits- und Liegebescheinigungen
  • Portpass
  • Belege, Rechnungen und Quittungen
  • Sonstiges

Da ist so ein A4-Ordner schnell voll. Danach mache ich mich mal wieder auf den Weg in die Klinik. Blutwerte kontrollieren ist angesagt. Ich schwinge mich also wieder mal aufs Rad und bestreite die 5 km aus meinen eigenen schwachen verbleibenden Körperkräften. Gefühlt erreiche ich das Tempo einer Schnecke auf Valium. Mein Konditionslevel liegt bei -1.000. Mein Transpirationslevel dagegen bei +1.000. Selbst wenn ich zuhause in Ruhe auf der Couch sitze, bilden sich schon deutliche und viele Schweißperlen auf der Stirn. Eine der, zum Glück, recht wenigen Nebenwirkungen, die ich habe. Eine andere ist das Zittern – und permanent weiche Knie.

Die Zittrigkeit kommt immer mal wieder schubweise vorbei. Alles in allem lässt es sich aber aushalten, solange ich nicht versuche Garn durch ein Nadelöhr zu friemeln.

In der Klinik angekommen, wird erstmal wieder Blut abgezapft. Heute steht eine etwas größere Analyse an, dass die PEt/CT-Praxis am Mittwoch auch die aktuellen TSH- und Kreatinwerte braucht. Meine Blutwerte sind gut. Bisschen hoher Anteil an Neutrophilen (Abwehrzellen, die eindringende Mikroorganismen abtöten), mit knapp 76 %, aber das ist dem Cortisonkonsum geschuldet. Alles in allem Werte, die für meine aktuelle Situation normal sind.

Als ich zurück zu meinem Rad komme, finde ich das Autogramm eines Flugtieres an meinem Rad. Ich nehme an, es war ein Flugsaurier, der mir da auf den Sattel und ans Sattelrohr gemacht hat. Zum Glück hat sich das Geländer, an das ich mein Rad geschlossen habe, im Moment der Schussabgabe noch in die Flugbahn geworfen und somit einen Großteil des Fäkalprojektils abgefangen. Welch selbstlose Heldentat!

Trotzdem musste ich mich fragen: „Wie kriege ich den Mist, bzw. Vogeldreck denn jetzt da weg. Taschentücher habe ich eigentlich nie dabei. Aber zum Glück Mundschutzmasken. Mit einer habe ich dann auch ganz gut Erfolg gehabt.

Wieder daheim gab es ein schnelles Mittagessen, danach wurde ich eins mit der Couch. Und wenn ich sage, ich wurde eins mit der Couch, dann meine ich das auch. Durch das viele Cortison hat mein Körper anscheinend gut Wasser eingelagert, so dass ich das Tarnmuster des Sofas annahm.

Am Abend wollen wir dann in Richtung alter Heimat aufbrechen. Einfach mal wieder kurz raus.

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